Landeshauptstadt Stuttgart
Nichtoffener Realisierungswettbewerb, Anerkennung
mit f64 Architekten und Stadtplaner GmbH
Visualisierung: Nicolai Becker Images
März 2026
Freiraumkonzept - Die Schule im Park
Die Freiflächen des neuen Schul-Ensembles bekennen sich zur bestehenden Vegetationsstruktur sowie der den Ort prägenden Topografie: vorgefundene Bäume werden weitestgehend erhalten und die neuen Funktionsbereiche werden in die Topografie integriert, anstatt diese zu überformen. So entstehen der jeweiligen Gebäudenutzung zugeordnete Freiräume mit unterschiedlichen Atmosphären und Nutzungsmöglichkeiten, die zusammen mit großen Bäumen zu einer parkartig anmutenden Landschaft verschmelzen.
Dieses Bild wird auch nach außen in die Nachbarschaft kommuniziert: Im Süden reagiert ein Gehölzsaum auf die unmittelbar angrenzenden Privatgärten und schafft einen grünen Paravent zwischen Schulareal und Wohnen. Im Westen wird die malerische Baumreihe entlang der Walpenreute erhalten. Im Osten entsteht ein offener und harmonischer Übergang von öffentlicher Grünfläche und dem Entree zur Grundschule. Die urbane Stufenanlage mit Aufenthaltsqualität vermittelt zwischen Straßen- und Eingangsniveau der Realschule. Die heranreichende Parklandschaft mit großen Bestandsbäumen umarmt den neuen Baukörper von beiden Seiten. Neupflanzungen in offenen, grünen Baumquartieren ergänzen das Bild und spenden natürlichen Schatten, für die in die Stufenanlage integrierten Sitzstufen, welche vor und nach der Schule als Treffpunkt dienen.
Innerhalb des Grundstücks entsteht ein Quartett aus den beiden Schulhöfen, Sportflächen und Mensa-Umfeld:
Der Schulhof der Realschule schmiegt sich im Süden und Osten an das Gebäude an. Zugänglich ist er sowohl von Norden im Anschluss an die Stufenanlage an der Hohewartstraße als auch von Westen über die Walpenreute. Hier wird zwischen den Bestandsbäumen ein Zugangstor installiert (zum Schutz des Wurzelraums mithilfe von Wurzelbrücken) zur Erschließung der Mehrzahl der geforderten Fahrradabstellmöglichkeiten. Im weiteren Verlauf gelangt man, vorbei am Gemüsegarten und der bestehenden Topografie folgend zum südlichen Haupteingang der Realschule. Der östliche Schulhof bietet einen überdachten, witterungsgeschützten Freibereich. Ein kleiner eingeschoßiger Baukörper in amorpher Formensprache beinhaltet den Müllraum der Realschule (kurzer Weg zur Müllaufstellfläche am Abholtag an der Hohewartstraße) sowie einen Stauraum für Sport-, Spiel- und Werkmöbel und Werkzeuge). Südlich davon schließt sich die überdachte Pausenhoffläche an. Die versiegelte Fläche kann multifunktional genutzt und bespielt werden: kleine Schulveranstaltungen, Pausenhof, Werkterrasse, etc. Der Pflasterbelag geht zu den Pflanzflächen hin über in ein Rasenfugenpflaster und schafft so weiche Übergänge.
Der Innenhof der Realschule ist den Lehrern gewidmet und bietet einen begrünten und mit Rankseilen überspannten Freibereich, der direkt über die Lehrerzimmer zugänglich ist.
Ergänzt wird das Pausenhofangebot durch die Sportfläche auf dem Dach der Turnhalle, welche den Pausenhof nach Süden begrenzt und die direkt über eine Außentreppe unabhängig vom Sportunterricht und den Umkleiden erreichbar ist. Der im Bestand vorhandene Teich wird für den Biologieunterricht neu verortet und aktiviert. Ausgebildet mit verschiedenen Wassertiefen und -zonen bietet er einerseits eine dauerfeuchte Zone für Kleintiere und Insekten, als auch eine wechselfeuchte Zone zum Rückhalt von Regenwasser.
Östlich vorbei an der allseits begrünten Fassade der Sporthalle gelangt man zum südlich gelegenen Sportfeld mit Laufbahn, Sprunggrube und Boulder-Wand entlang der westlichen Stützmauer, sowie entweder über Stufen oder eine barrierefreie Rampe hinunter zum tiefsten Punkt im Gelände zur Mensa. Diese besitzt Außenterrassen für die beiden Speisesäle als auch in Grün eingebettete Dachterrassen – eine für gemeinschaftliche Nutzungen sowie eine als Eingangs- und Freibereich für die Hausmeisterwohnung.
Nordöstlich der Mensa befindet sich die Anlieferung, die über eine kleine Stellplatzanlage erreicht wird. Diese bietet 18 Stellplätze, 5 weitere befinden sich im Westen an der Walpenreute. Weiterhin sind hier die Hausmeistergarage sowie die Müllhäuschen von Mensa und Grundschule verortet, mit kurzem Weg zur Aufstellfläche am Abholtag an der Wittlinger Straße.
Parallel zum Stellplatz verläuft der Fußweg, über welchen die Grundschüler die Mensa und im weiteren Verlauf die Sporthalle erreichen. In der bestehenden topografisch markanten Landschaft wird das Grüne Klassenzimmer unter den großen Bestandbäumen integriert. Weiterhin befindet sich an der Südfassade der Grundschule der Freibereich für die Lehrer:innen. Der offene Eingangsbereich im Osten der Grundschule ist mit einer großen Sitzskulptur ausgestattet und weist die erforderlichen Fahrradabstellmöglichkeiten nach. Er geht nahtlos über in den parkartigen Grünzug, über welchen die Kinder ankommen, ohne der Kreuzung mit Pkws ausgesetzt zu sein. Der eigentliche Schulhof der Grundschule befindet sich im Norden unter den großen Bestandsbäumen. Eine amorphe Kleinarchitektur bietet wie auch bei der Realschule Witterungsschutz sowie Stauraum für Spielgeräte und Gartenutensilien.
Der bestehende Asphalt wird um die Bäume entsiegelt, mit einer neuen Deckschicht versehen und mit Hüpfspielen und Roller-Parcours bespielt. Ein Kletterspielbereich, diverse Sitzmöbel, Hängematten und ein Gemüse- und Naschgarten ergänzen das Angebot, welches mit den Schüler:innen in einer Gemeinschaftsaktion weiter ausgearbeitet und beplant werden kann.
Umgang mit dem Baumbestand
Ein wesentlicher Entwurfsansatz ist ein schonender Umgang mit dem Baumbestand. Auf Basis der Bestandsbewertung werden zunächst Bäume mit schlechter Vitalität zur Fällung ausgewiesen. Im nächsten Schritt wurden weitere erforderliche Fällungen zur Platzierung der neuen Baukörper ausgemacht. Im Bereich des zu erhaltenden Baumbestandes werden keine wesentlichen Änderungen im Geländeverlauf vorgenommen. Wo erforderlich, werden Wurzel- und Baumschutzmaßnahmen vorgesehen. Bei erforderlichen Versiegelungen im Wurzelbereich (Zugang West von der Walpenreute) wird der Eingriff mittels Wurzelbrücken minimiert. Im Schulhof nördlich der Grundschule wird die vorhandene Asphalttragschicht erhalten und mit einer neuen hellen Asphaltdeckschicht versehen. Um die Bestandsbäume herum wird die Belagsdecke entsiegelt und die unterpflanzten Flächen vergrößert.
Erschließung
Die äußere Erschließung und Zugänge zum Schulareal erfolgen für die Realschule im Westen und Norden, für die Grundschule im Osten über die angrenzende öffentliche Grünfläche. Innerhalb des Schulareals kann trotz des weitestgehenden Erhalts der Topografie eine barrierefreie Erschließung zwischen den einzelnen Baukörpern gewährleistet werden. Die zahlreichen Funktionsbereiche werden sinnfällig in die Topografie integriert. Die geforderten Stellplätze befinden sich im Westen an der Walpenreute (7) und im Osten auf einer kleinen Stellplatzanlage zwischen Grundschule und Mensa (16). Entlang des Haupt-Entrées zur Realschule an der Hohewartstraße befindet sich eine Kiss&Ride-Zone. Hier befinden sich auch 48 Fahrradstellplätze für die Realschule, 102 weitere erreicht man über den westlichen Zugang an der Walpenreute. Die 50 Fahrradstellplätze für die Grundschule liegen im Osten im Bereich des Haupteingangs. Die Müllhäuschen, Geräteschuppen für die beiden Schulen sowie die Hausmeistergarage befinden sich dezentral im Areal verteilt, mit kurzen Distanzen zu den jeweiligen Gebäuden bzw. Schulhöfen sowie nahe der Müllaufstellflächen am Abholtag an den Zugängen. Die Anlieferung der Mensa erfolgt über die kleine Stellplatzanlage im Osten.
Nachhaltigkeit, Klimaanpassung & Biodiversität
Im Schulhof der Grundschule werden die Asphalttragschichten erhalten und lediglich eine neue helle Asphalttragschicht aufgebracht. Weiterhin wird die Mauer entlang der bestehenden Bestandstreppe an der Hohewartstraße erhalten. Zum Regenwassermanagement wird ein Kaskadenprinzip vorgeschlagen, das die Retentions- und Gründächer, Zisternen zur Gartenbewässerung, Baumrigolen, Sickerrigolen und Retentionsflächen an geeigneten Stellen beinhaltet. Zur Steigerung der Biodiversität sieht der Entwurf die Pflanzung von Klimabäumen, artenreiche Wiesensäume und Staudenflächen, bodengebundene Fassadenbegrünung an der Sporthalle und Extensiv- und Biodiversitätsdächer vor. Auch die Innenhöfe der beiden Schulen werden teils begrünt.