Stadt Wien
Offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb, Teilnahme Phase 1
April 2025
AUF SPURENSUCHE FÜR EIN LANDSCHAFTLICHES PALIMPSEST
Die durch das städtebauliche Konzept bereits vorgegebene Grundstruktur wird hinterlegt mit einer Spurensuche in der Vergangenheit als auch einem Ausblick auf die Anforderungen, die zukünftig an den Ort gestellt werden. Daraus entsteht ein landschaftsbasiertes Palimpsest, welches historische Zeitfenster ablesbar macht: sowohl Elemente der ursprünglichen Auenlandschaft sowie des seit den 1870er Jahren entstandenen Gleis- und Bahnhofsareals werden in „Geschichtsfenstern“ nachgezeichnet und inszeniert. Diesem werden neue Layer hinzugefügt, die das städtebauliche Konzept um einen nachhaltigen und qualitätsvollen öffentlichen Freiraum bereichern und ein lebenswertes Quartier entstehen lassen.
Ergänzend werden Bezüge in die Umgebung hergestellt: Insbesondere der angrenzende Augarten wird thematisch aufgegriffen und prägt das südwestliche Entrée mit kleinem Platz, gefolgt von Gartenzimmern und Aktivfeldern (Spielwiese, Hundewiese und Spielplatz). Im Bereich des südlichen Entrées erinnert ein Mahnmal an die Geschichte des Nordwestbahnhofs zur NS-Zeit.
Nach Südosten präsentiert sich der Park mit einem urbanen Platz als Auftakt der Esplanade, welche als roter Faden den gesamten Park bis zu seinem nördlichen Endpunkt begleitet und den Besucher an einer Sequenz von verschiedenen Aufenthalts- und Vegetationsflächen vorbeiführt:
Die Veranstaltungshalle in einer der zu erhaltenden Bahnhofshallen findet ihre freiräumliche Erweiterung in einem von mehreren im Gebiet verorteten Quartiersplätzen, die sich mit ihren mehrstämmigen Blütenbäumen und ihrem Wasserspiel auszeichnen. Im Anschluss daran befindet sich ein Aktivfeld, in welchem sich der südliche Auftakt des Geschichtsfensters Gleisanlagen befindet. Eine lineare Struktur aus Stegen und Sukzessionsvegetation zeichnet den ehemaligen Verlauf der Gleise nach und bespielt sie mit Sport- und Spielfeldern (Calisthenics, Spielplatz „Güterbahnhof“), Sitznischen, Urban Gardening und im Bereich der nördlichen Bahnhofshalle mit einer „Werkstatt im Freien“. Weiterhin wird eine der Sitznischen so platziert, dass ein Sichtbezug zum Flakturm VII im Augarten hergestellt wird. Die lineare Struktur wird im zentralen Bereich in weitläufige, offene CEF- und Ruderalflächen eingebettet. An der nördlichen Bahnhofshalle weitet sich die Esplanade zu einem weiteren Quartiersplatz auf und verteilt hier die Besucher in alle Richtungen. Im Anschluss befindet sich das Geschichtsfenster Auenlandschaft welches sich an dem ursprünglichen, vom ehemaligen Verlauf der Donau geprägten Landschaftstyp orientiert.
Symbolisch wird die Überlagerung mit dem Bahnhofsareal abgetragen und die ehemalige Auenlandschaft wieder freigelegt. So liegt die Fläche etwas tiefer als das restliche Quartier und kann damit auch als potentielle übergeordnete Retentionsfläche genutzt werden, die sich zum Parkweg mit einer weichen, geböschten Kante und zur Esplanade mit einer urbanen Kante abzeichnet. Im Bereich von Lichtungen werden Balkone bzw. Sitzstufen angeordnet und erlauben Einblicke in die Auenlandschaft mit ihren Kiesbänken, Pfaden und Waldvegetation.
Im weiteren Verlauf quert die Einkaufsstraße den Auwald in Ost-West-Richtung. Hier werden Tram und Radweg in eine qualitätsvolle Promenade integriert, die sich in Teilbereichen platzartig aufweitet und zum Verweilen unter Baumgruppen einlädt. Nördlich des Geschichtsfensters Auwald gibt es eine weitere Ost-West-Querung. Säulenformige Bäume unterstützen die Orientierung und sind in grünen Bändern platziert, die Aufenthalts- und Retentionsflächen integrieren. Darauf setzt sich die Sequenz aus Aktivfeld und lichtem Wald bis zur Fußgängerbrücke fort. Die nördlichste Parkfläche wird geprägt von ihrem Kontext: Markthalle im Westen und bestehende Gärten mit Obstbäumen im Osten konzentrieren sich hier thematisch auf Streuobstwiese, Urban Gardening und Marktplatz (optional), ergänzt um Spielplatz und Hundewiese. Seinen Abschluss findet der Park in dem teilweise erhaltenen Bahndamm über welchen der Anschluss an den nördlichen Gleisradweg erfolgt. Weiterhin bietet der Bahndamm einen Ausblick nach Norden in Richtung Berge sowie nach Süden über den Park.
Analog zur östlich verlaufenden Esplanade wird der Park im Westen von einem Fuß- und Radweg begleitet. An Kreuzungspunkten werden durch Oberflächenmarkierungen Aufmerksamkeitsfelder geschaffen, die Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern vorbeugen.
Im Hinblick auf Nachhaltigkeit setzt der Entwurf auf artenreiche, klimaangepasste und vielfältige Vegetationsstrukturen im Einklang mit umfassenden Artenschutzmaßnahmen, ein differenziertes Nutzungsangebot für soziale Inklusion sowie auf ein standortangepasstes Regenwassermanagement mit Retentionsflächen, Baumrigolen und temporären Einstauflächen.