BILDUNGSCAMPUS DÜLMEN


Stadt Dülmen
Städtebaulich-landschaftsplanerischer Wettbewerb, Teilnahme
mit rheinflügel severin GmbH

März 2026


Verbindung_ Das Konzept für den neuen Bildungscampus Dülmen setzt auf eine starke Vernetzung mit seiner Nachbarschaft einerseits und auf die Ausbildung identitätsstiftender und kommunikativer Orte innerhalb des Campus-Areals andererseits. Es werden neue Wegeverbindungen und Zugänglichkeiten geschaffen, die das Wohngebiet im Westen, das Freizeitbad einschließlich Sportareal im Osten, die freie Landschaft im Norden und die Stadt im Süden mit und über den Campus verbinden, sodass ein Ort für alle entsteht. Die auf Kommunikation und Gemeinschaft angelegte Campusgestaltung richtet sich damit nicht nur an die Schülerinnen und Schüler sowie das Personal, sondern definiert die Berningheide als öffentlichen Ort am Dülmener Stadtrand.

Struktur_ Die städtebauliche Idee lässt sich als inklusives Schuldorf beschreiben. Durch die additive Struktur der Baukörper ergibt sich eine Kleinteiligkeit, die eine selbstverständliche Einbettung in den baulichen Kontext ermöglicht. Jede der drei Schulen erhält innerhalb des Schuldorfs eine eigene Adresse mit zugeordneten Freiflächen. Alle Schulen sind vom allgemeinen Ankunftspunkt im Süden erkennbar, wenn auch die Anfahrbarkeit der Förderschule durch die Kleinbusse über den Grenzweg erfolgt. Die Clusterbereiche von Haupt- und Realschule werden unmittelbar von Süden erschlossen. Der Gemeinschaftstrakt der beiden städtischen Schulen, die Förderschule und der Sporthallenkomplex werden über einen zentralen Campusplatz erschlossen, der hierüber alle Einrichtungen miteinander verknüpft und damit eine wichtige Grundlage zur Inklusion legt. Der Mensabereich der städtischen Schulen ist auf diesen Platz ausgerichtet und sorgt für eine Belebung in der Mittagszeit.

Städtische Schulen_ Der Gebäudekomplex der städtischen Schulen gliedert sich jeweils in die Clusterbereiche von Haupt- und Realschule sowie einen Gemeinschaftstrakt mit Aula, Mensa und Fachklassen. Versetzte Baukörper ermöglichen eine optimale Belichtung der kompakten Cluster und verknüpfen im Gelenkbereich der Clustereinheiten weitere Nutzungen wie Ganztag im EG und Verwaltung in den Obergeschossen zu einem dreigliedrigen Baukörper. Die einzelnen Funktionen werden durch die Verwendung unterschiedlicher Dachformen lesbar gemacht. Im 1. OG verbinden klimatisch geschlossene Brücken die Clusterbereiche mit dem Gemeinschaftstrakt, der dort die Aula oberhalb der Mensa vorsieht. Ein kleiner Hof sorgt für eine natürliche Belichtung im Innern des kompakten Baukörpers.

Förderschule_ Die Schule des Kreises verfügt ebenfalls über eine Clusterorganisation. Auch hier sorgt ein Versatz zur optimalen Belichtung der kompakten Cluster-Organisation im südlichen Teil der Schule. Alle weiteren Funktionen sind im länglichen Baukörper entlang des Campusplatzes untergebracht, der im Erdgeschoss den Ganztagsbereich aufnimmt. Die beiden Clusterbaukörper gliedern die Außenfläche in selbstverständlicher Weise in zwei getrennte Schulhöfe, um der Primarstufe einen eigenen Bereich zuordnen zu können. Die Bildungs- und Beratungsstelle verfügt über einen eigenen Baukörper auf der Ostseite unweit vom Grenzweg in unmittelbarer Nähe zu den Stellplätzen der Förderschule.

Sportzentrum_ Der Sporthallenkomplex schließt den Campus nach Norden zur Autobahn ab und bildet damit einen Lärmschutz für den zentralen Campusbereich. Von der Eingangshöhe auf 85,00 m über NN gelangt man unmittelbar in die Zweifachsporthalle auf der Ostseite, bzw. in die dazugehörigen Umlkleiden hinter dem zum Platz gerichteten Foyer. Auf der Westseite erreicht man die Tribüne der Dreifachsporthalle. Die Hallenfläche liegt auf dem Niveau von 82,50 m und hat ihre Umkleiden und Geräteräume unter denen der Zweifachsporthalle. Westlich des Sporthallenkomplexes wird ein Außenspielfeld vorgeschlagen, welches sich in der Verlängerung der Dreifachsporthalle optional überdachen ließe. Eingebettet in die landschaftliche Gestaltung der nördlichen Campusfreiflächen wird die Energiezentrale am Nordrand des Grundstücks vorgeschlagen.

Erschließung_ Die Erschließung mit MIV und ÖPNV erfolgt vorrangig von Süden über den bestehenden und in Teilen umgebauten Parkplatz des Schwimmbades. Zwar entfallen für die Busspur einige Stellplätze, aber diese können kompensiert und zusammen mit zusätzlichen Stellplätzen inklusive einer Kiss & Ride Anlage auf dem ehemaligen Wohnmobil-Parkplatz geschaffen werden. Die vier Bushaltestellen werden zentral und nah an den Schulen verortet. Einzig die Parkierung für die Förderschule erfolgt über den Grenzweg. Die geforderten Stellplätze sowie die Wartezone für die Kleinbusse werden in fußläufiger Nähe zum Eingang der Förderschule platziert. Auch die Anlieferung für die Mensa erfolgt über den Grenzweg, ebenso die Zufahrt zur Energiezentrale ganz im Norden. Fahrräder erreichen den Campus über den als Fahrradstraße gewidmeten Haverlandweg im Westen und die daran situierten Campus-Entrées. Fahrrad-Parker werden dezentral im gesamten Gebiet verteilt, immer nah an den Eingängen und entlang der Hauptwegeverbindungen.

Freiräume_ Einen wichtigen Verteiler stellt der als Entrée verstandene Kreuzungspunkt nördlich der Busschleife dar. Hier kommen die Schüler morgens an – mit dem Pkw, dem Bus oder dem Fahrrad. Ein Freizeitplatz mit Skateanlage und Streetball-Flächen wird zum Treffpunkt vor und nach der Schule, in der Pause oder am Wochenende. Die Hauptzugänge zu Haupt- und Realschule sind nicht weit, ebenso wie das Grüne Klassenzimmer an der südlichen Ost-West-Promenade. Dieses ergänzt, wie auch der Skateplatz, als Erweiterung der beiden Schulhöfe das Freiraumangebot . Das Grüne Klassenzimmer ist eine über Stege erreichbare und mit einer Pergola überspannte Plattform inmitten der extensiven Vegetation im nördlichen Bereich der Retentionsfläche. Die hohen Anforderungen an das Rückstauvolumen in Kombination mit dem hohen Grundwasserstand erfordern die Integration eines Rückhaltebeckens. Dieses wird gestalterisch in die Fläche eingebettet, umgeben von einer bepflanzten wechselfeuchten Flachwasserzone, sodass es nicht als technisches Bauwerk wahrgenommen wird.Bewegt man sich vom Skateplatz mit seiner Gelenkfunktion nach Norden, gelangt man zum bestehenden Sportpark. Innerhalb des Campus stellt jedoch die Campus Promenade eine wichtige Verbindung dar. Zwischen Haupt- und Förderschule hindurch gelangt man zur mit hoch aufgeasteten Bäumen überstandenen Campus-Plaza, die vielseitig genutzt werden kann: Außen Terrasse der Mensa, Empfangsort bei Abendveranstaltungen in der Aula oder Bühne für Schulveranstaltungen und Konzerte. Ihren räumlichen Abschluss im Norden findet sie mit dem Sportzentrum. Hier quert auch die nördliche Promenade, die im Osten die Schüler der Förderschule willkommen heißt und im Westen zur Schulhoferweiterung mit Sportfeld und Calisthenics-Anlage führt. Das Rückgrat des vielseitigen Freiraumsystems bildet die facettenreiche Baumstruktur: strenge Baumreihen unterstützen die Orientierung, artenreiche Gruppen aus locker stehenden Bäumen verleihen den extensiven Flächen ihre ganz eigene Atmosphäre und Solitärbäume mit besonderem Habitus, Blüte oder Herbstfärbung akzentuieren die neuen Lieblingsorte und Plätze.

Nachhaltigkeit_ Für einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz werden alle Dachflächen konsequent mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Im Bereich der Flachdächer werden sie zur Erhöhung des Wirkungsgrades mit extensiven Gründächern kombiniert. Diese leisten überdies einen positiven Beitrag zum Kleinklima des Areals, zur Steigerung der Biodiversität als auch zum Regenwassermanagement. Im Sinne der Schwammstadt werden diese als Retentionsdächer ausgebildet, speichern das Regenwasser und geben es zeitverzögert in die dezentrale Mulde weiter. Die vorgeschlagene Bebauung besteht aus kompakten Gebäudetypen, die mit kleinem Oberflächen-/Volumenverhältnis niedrige Baukosten und geringe Energieverbräuche erwarten lassen. Die Freiflächen sind mit klimaangepassten und standortverträglichen Baumarten bepflanzt. Insbesondere der hohe Grundwasserstand erfordert eine sorgfältige Auswahl, die großen Wert auf Artenreichtum ebenso wie auf gestalterische Aspekte legt. Die durch die Blätterdächer generierte Verschattung der Freiflächen und Fassaden trägt erheblich zur Klimaadaption und zur Steigerung des menschlichen Wohlbefindens bei. Versiegelte Flächen sollen auf ein Minimum reduziert und in geeigneten Bereichen mit offenen, grünen Fugen ausgebildet werden. Die Grünflächen sind zu einem großen Anteil als artenreiche Blühwiesen angelegt, die Bienen und Insekten Nahrung und Lebensraum bieten. Die Multikodierung der Flächen fördert Naturerfahrung und trägt darüber hinaus zu einem Naturverständnis des gleichberechtigten Nebeneinanders von Mensch und Natur bei.